25.02.2019

Ciao Toskana – Pfiat-di Franz


Franz Posch ist tot. Viel zu früh hat Absam und die Region einen ihrer prominentesten Künstler und Querdenker verloren.

Viel ist über ihn, seine Person, sein Schaffen, sein Werk und seine Kunst geschrieben und gemutmaßt worden. Bunt und weit die Palette von Wertschätzungen, die ihm entgegengebracht wurde. An ihm schieden sich die Geister. Doch um ihn besser oder überhaupt verstehen zu können, empfahl ein guter Freund, sich seinen „unglaublich markanten Kopf“ genauer anzuschauen. Das lange, im Alter ergraute, strähnige Haar, seine große Knollennase, aber auch die stets funkelnden Augen. Augen, immer neugierig, immer umtriebig. Augen, die die Welt gesehen haben. Nicht von der Körpergröße, aber irgendwie von seiner Ausstrahlung ein Typ wie Gérard Depardieu. Eben ein „Real-Character“ – einen, den man so schnell zu Recht nicht vergisst.

Franz wurde im Januar 1948 in Hall/Tirol geboren. Bereits mit 21 Jahren – nach seiner Ausbildung zum Modelltischler und Formenbauer – startete er eine dreijährige Afrikareise durch Süd- und Ostafrika, Kenia und Tansania, Somalia und Madagaskar. In dieser Zeit begann er autodidaktisch zu zeichnen und legte den Grundstein seiner Begeisterung für fremde Länder. Unstet, aber doch verankert in seiner Heimat Tirol, in die er nach vielen Reisen immer wieder gerne zurückkehrte. Doch für Franz war Heimat als Ort nicht genug. Durch seine Reisen sprengte er für sich die Grenzen seiner Heimat und verweigerte sich dadurch dem Zwang der Anpassung, der mit Heimat unweigerlich für ihn verbunden gewesen wäre. Nicht nur mit seiner Kunst stieß Franz in seiner unmittelbaren Absamer Heimat zum Teil auf Unverständnis. Auch intellektuell entstand eine gewisse Distanz zu ihr, die Fremdartiges und Außergewöhnliches ablehnt.

In diesem, seinem Spannungsfeld entstanden fast unzählige Werke. Viel war er mit seinem Frosch grünen Campingbus unterwegs. Immer auf der Suche nach neuen Inspirationsquellen. Die Freiluftmalerei hat Franz einmal mit folgenden Worten beschrieben: „Ich male Landschaft. Wenn ich male, muss ich immer an die Landschaft denken. Was ich sehe, spüre und male ist Landschaft. Damit bin ich Landschaft“. Auf der Suche nach neuen Landschaften und Inspirationen bereiste er fast die ganze Welt. Ende der 1980er Jahre entwickelte sich seine große Liebe zur Toskana, die später seine zweite Heimat und Staffelei werden sollte. Hier fand er besonders in den Hügeln der Le Crete Senese und ihren menschenleeren Landschaften die Ruhe und Stille, die er zum Malen brauchte. Auch Motive, wie „sein“ Kloster Sant Antimo, das ihm immer wieder die gleiche Frage stellte: „… ich habe Sant Antimo immer und immer wieder gemalt, aus allen möglichen Perspektiven. Bei Tag, bei Regen und bei Wind. Und wieder stellt sich mir die gleiche Frage: wie male ich ein 1000 Jahre altes Sant Antimo?“ 

Neben seiner beruflichen Tätigkeit als Berufsschullehrer an der Tiroler Fachberufsschule für Holztechnik in Absam widmete Franz sein Leben ganz der Kunst. Als leidenschaftlicher Individualist blieb er stets auf Distanz. Als Einzelgänger war er immer auf der Suche nach Neuem. So besuchte er über mehrere Jahre hinweg die Internationale Sommerakademie für Bildende Kunst in Salzburg. Lernte Plastik bei Professor Gernot Rumpf, Zeichnung (Kohle) und Ölmalerei bei Professor Stephan von Huene und Erdfarben/Mischtechnik bei Professor Giselbert Hoke. Die Begegnung mit Hoke und die Entdeckung der Malerei mit Erdfarben waren fundamental für seine künstlerische Entwicklung. Neben der uralten Kunst des Radierens beherrschte Franz auch die Kunst des klassischen Portraitmalens. So hat Franz zwei Bürgermeister seiner Geburtsstadt Hall, Josef Posch und Leo Vonmetz portraitiert.

Franz hat es geschafft, seine Kunst, seine Heimat und seine Toskana untrennbar zu verbinden. In seinem Atelier in Absam und auf seiner Staffelei in der Toskana entstanden unzählige Werke. Dazu gehören Bilder seiner Heimatstadt Hall und den Absamer Matschgerern genauso dazu, wie seine wunderschönen Bilder der endlos, in bunten Farben ertrinkenden toskanischen Landschaften. Ist Franz Posch auch nicht mehr unter uns. Schaut er auch nicht mehr auf ein Glaserl Rotwein bei uns vorbei. Sein Werk wird uns immer an ihn erinnern. Danke Franz und leb‘ wohl.