Mit großer Traurigkeit habe ich vom Tod meines Freundes Jochen Mass erfahren. Der Rennfahrer, mit dem ich über viele Jahre hinweg unzählige, unvergessliche Momente bei Motorsport- und Classic-Veranstaltungen teilen durfte, ist gestern im Alter von 78 Jahren in seiner Wahlheimat Cannes an den Folgen eines Schlaganfalls verstorben. Mein tiefstes Mitgefühl gilt Bettina Brune Mass sowie seiner gesamten Familie. In Gedanken bin ich bei ihnen.
Seit über dreißig Jahren verbindet mich mit Jochen Mass eine tiefe gemeinsame Leidenschaft für das Automobil – sei es im Motorsport oder im klassischen Fahrzeugbereich. Unsere Wege kreuzten sich erstmals in den 1990er-Jahren während meiner Zeit bei AMG, und ab dem Jahr 2000 sind wir uns bei zahlreichen Motorsport- und Classic-Veranstaltungen immer wieder begegnet.
Was mich an Jochen stets fasziniert hat, war nicht nur sein enormes Fachwissen als Markenbotschafter von Mercedes-Benz Classic und seine scheinbar grenzenlose Expertise in Sachen Motorsport, Technik und Oldtimer. Es war vor allem seine offene, unprätentiöse Art, mit der er auf Menschen zuging – immer bereit, mehr zu erzählen als man gefragt hatte, und dabei nie belehrend, sondern inspirierend und menschlich nah zu sein.
Jochen Mass und Mercedes-Benz
Unvergessen bleibt Jochen Mass’ außergewöhnliches Talent, selbst die legendärsten Rennwagen aus über einem Jahrhundert Automobilgeschichte mit Leidenschaft und Präzision zu bewegen. Ob er hinter dem Steuer eines gewaltigen Kompressor-Tourenwagens der Baureihe W 06 aus den späten 1920er- und frühen 1930er-Jahren saß – jenen kraftvollen Modellen der SS-, SSK- und SSKL-Serie, die als Ikonen der Vorkriegszeit gelten –, oder ob er einen der berühmten Grand-Prix-Silberpfeile aus der ersten Glanzzeit von Mercedes-Benz pilotierte: Stets war es ein Zusammenspiel aus technischer Virtuosität und spürbarem Respekt vor der Geschichte. Auch die Boliden der Gruppe C, der legendäre 300 SLR von 1955 oder gar der Mercedes-Simplex aus der Frühzeit des Automobils – Jochen Mass verstand es, jedem Fahrzeug seine eigene Stimme zu geben. Für ihn war es nie nur ein Lenken, sondern ein Erzählen – auf Rädern, mit Tempo und Seele.
Jochen Mass und die Ennstal-Classic
Mit spürbarer Leidenschaft und echter Begeisterung war Jochen Mass über viele Jahre hinweg ein fester Bestandteil der Ennstal-Classic – einer der renommiertesten Oldtimer-Rallyes Europas. Seine tiefe Verbundenheit mit dieser Veranstaltung seit den 1990er Jahren ging weit über das bloße Mitfahren hinaus: Er prägte das Gesicht der Rallye entscheidend mit und trug maßgeblich zu ihrem internationalen Renommee bei.
2003 sorgte er beim TAG Heuer Grand Prix der Ennstal-Classic für Aufsehen, als er einen legendären Mercedes-Benz W196 Formel-1-Rennwagen mit Stromlinienkarosserie präsentierte – eine Hommage an die goldene Ära des Motorsports. Im darauffolgenden Jahr steuerte er den imposanten Mercedes-Benz SSK aus den 1930er Jahren durch die malerische Berglandschaft, und 2007 ließ er mit dem Grand-Prix-Rennwagen Mercedes-Benz W154 aus dem Jahr 1939 die Geschichte erneut lebendig werden.
Ein ganz besonderer Moment folgte 2008, als Jochen Mass im Rahmen der Ennstal-Classic zum Präsidenten des „Klubs der ehemaligen Grand-Prix-Piloten der Formel 1“ ernannt wurde – eine Auszeichnung, die seine außergewöhnliche Laufbahn und sein Ansehen in der Rennsportwelt unterstreicht.
Unvergessen bleibt sein letzter Auftritt im Ennstal, als er gemeinsam mit Martin Utberg im kraftvollen Chrysler 300 an den Start ging – ein Abschied mit Stil und Herzblut. Zusammen mit seinem engen Freund Sir Stirling Moss wurde Jochen Mass zu einer der großen Legenden der Ennstal-Classic. Von Moss erhielt er schließlich eine der größten Ehren: Er nannte ihn einen „Fahrer mit einem außergewöhnlichen Gespür für Rennwagen, einem tiefen technischen Verständnis und einem umfassenden Wissen über die Geschichte des Motorsports“ – und bezeichnete ihn liebevoll als seinen Seelenverwandten.
Ich bin dankbar und froh, Jochen Mass begegnet – und ein kleines, aber intensives Stück des Weges mit ihm gemeinsam gegangen zu sein. Er war ein Mensch von besonderem Format: Seine Art, sein feiner Witz und seine Lebensfreude haben mich stets fasziniert. Umso schöner war es, dass uns neben vielem auch eine besondere Leidenschaft verband – die große Liebe zu einem richtig guten Glas Rotwein.
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Fotos: © Robert Thiem
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